Monthly Archive for January, 2010

“BRANDY DE JEREZ” - Andalusiens Glut !

Wenn man nach Jerez de la Frontera kommt, dann gibt es meistens nur 3 Gründe: den andalusischen Flamenco, den Sherry oder den Brandy de Jerez.
Nun wird sich so mancher fragen was dass Besondere an dem Brandy de Jerez ist, das er in einem Atemzug mit den Größen dieser wunderschönen alten Stadt genannt werden darf ?

Nun, er steht zumindest in direkter Verbindung mit allen Sorten Sherry die in diesem streng begrenzten Gebiet, der “Sherry - Triangle” um Jerez de la Frontera, Sanlucar de Barrameda und El Puerto de Santa Maria ausgebaut werden !

Denn nur in diesen vorher mindestens 3 Jahre mit Sherry befüllten Fässern die oft über 200 Jahre alt und aus amerikanischer Steineiche handgefertigt sind, darf das Destillat zur langjährigen Reifung eingelagert werden. Hierbei bestimmt die Sherry-Sorte dann auch den Geschmack und Farbe des Brandies. Das macht den wiederrum so einzigartig !

Ein eigens eingerichteter Kontrollrat, der “Consejo Regulador del Brandy de Jerez” wacht strengstens über die Herstellung und Vermarktung.

Der gemeine, schottische Highland-Malt - Whiskey - Brenner hat diese Aromatisierung auch vor etlichen Jahren für sich entdeckt und kauft nun seinerseits für teures Geld Sherry - Fässer !

Ich werde oft gefragt wie ich zu so einem Hobby und der dazu gehörigen Sammlung komme ?

Als gelernter Braumeister fällt der Apfel nicht weit vom Stamm meint man, auch wenn ich seit Jahrzehnten nicht mehr in dieser Branche tätig bin.
Ich wurde vor ca. 20 Jahren von einem Freund zum Brandy verführt. Doch dieser Brandy kam vom Brachengrößus aus dem Penedés ! Die aus Jerez waren dann schon wesentlich milder, harmonischer, ausgeglichener. Auch in der mittelfränkischen Metropole waren alsbald die 6 oder 7 Sorten verkostet und gekauft. Also begann das Interesse an der Geschichte und die Vielfalt noch zu wachsen ………..Das Internet war dann der Initialzünder für die Sammelleidenschaft.
Ich kaufte alles was ich an Brandy finden konnte. Ein weltweit bekanntes Internet-Auktionshaus war hierbei eine große Berreicherung und teilweise Fundgrube für alte Schätze …….Doch auch in Freiberg / Sachsen wurde ich fündig. Die “Bodega Andaluza” war für mich eine wahre Goldgrube. Und so ging das weiter, bis der Platz zuhause einfach nicht langte um alle Brandies in Regalen unterzubringen. Kurzerhand flogen dann alle Nicht-Jerez-Brandies (Spanien,Portugal,Australien, Asien etc.) raus und die niedrigste Qualitätskategorie der Jerez-Brandies, genannt SOLERA ( = S, Mindestreifezeit im Fass; 6 Monate, Durchschnittsalter 12 Monate) füllte ich auf eigens gekaufte und über 3 Monate mit P.X. - Sherry befüllte Mini-Fässer aus amerikanischer Steineiche.
Nun war wieder mehr Platz für die verbliebenen Qualitäten SOLERA RESERVA ( = SR, Mindestreifezeit im Fass: 12 Monate, Durchschnittsalter 3 Jahre) und die qualitativ höchste und somit auch teuerste SOLERA GRAN RESERVA ( = SGR, Mindestreifezeit im Fass: 3 Jahre, Durchschnittsalter 8 Jahre, meist wesentlich älter, teilweise bis ca. 70 Jahre !).
Doch Raritäten, teils aus der Zeit von Diktator Franco wurden immer interessanter. Die fehlenden SR’s und SGR’s weniger, die Raritäten mehr. Nun sind es fast 800 Flaschen, nur aus der “Brandy-Triangle” (identisch mit der “Sherry-Triangle”), und nur die beiden Qualitätsstufen SR und SGR ………..

Als nicht-spanisch-sprechender Mittelfranke war es nun also endlich Zeit die “Weltmetropole” des Brandies zu besuchen. Zum ersten Mal !
Ein Paradies !

Die vorab bereits geknüpften Kontakte zu kleinen aber feinen Familien - Bodegas bereicherten bereits meinen auf 14 Tage begrenzten Zeitplan. Das führte teilweise zu zeitlichen Engpässen, da der gediegene Spanier ja seine Siesta einhalten muss ! Also waren die Fußmärsche vom Casa Rosaleda aus immer genau zu planen. Da die alt eingessenen Bodegas alle im Altstadtviertel angesiedelt sind (außer die Multis wie Garvey, Estevez etc.) und somit auch leicht zu Fuß erreichbar sind, ist es nicht verwunderlich, das wir die leicht erreichbaren Bodegas zuerst heimsuchten . Doch einige wichtige Bodegas antworteten einfach nicht auf die dringend erforderliche Anmeldungsmail. Schade, oder haben die es nicht mehr nötig …….

Bodega TRADICIÓNDa sein nun zuerst die Bodega “TRADICIÓN” genannt.
Die zuständige österreichisch-deutsche Mannschaft ( Frau Eisenbeutl und Sabrina) für die Führungen ist äußerst kompetent, freundlich und hilfsbereit. Die Produkte der Bodega sind ausschließlich erlesen: Sherries der Güte V.O.S. (älter als 20 Jahre) und V.O.R.S. (älter als 30 Jahre) sowie zwei exzellente Brandies GOLD und PLATINUM lassen nicht vermuten, das die Bodega keine eigenen Weinberge besitzt, sondern nur ausbaut ! Doch so manch andere Bodega mit eigenen Weinen kann die Qualität der TRADICIÓN - Produkte bei weitem nicht erreichen ! Die im Salon durchgeführte Degustation mit sachkundiger Anleitung ist sehr familiär und warmherzig. Die Hochwertigkeit der Produkte erhöht den Preis der gesamten Führung / Degustation am Plaza Cordobeses 3 etwas. Doch der ist bei diesem Ambiente in jedem Fall gerechtfertigt !

Bodegas DIOS BACO 1Bodega DIOS BACO 2Ein Herzenswunsch für mich war die Familien - Bodega “DIOS BACO”. Zum einen habe ich diese Bodega (wie so viele !) bereits vor längerer Zeit angeschrieben um nach Versandoptionen zu fragen, zum anderen hatte ich hier den herzlichsten Kontakt. Und wie sich nach mehreren Mails herausstellte mit einer der beiden Töchter des Firmeninhaber, Alejandra Paez Ruiz. Der Hinweis von Ihr, dass es noch einen nicht im Net sichtbaren Brandy “DiIOS BACO” außer dem exklusivem “LUIS ENRIQUE” (beide SGR) war natürlich eine Bereicherung. Die Bestellung lief wie auch bei Tradición unkompliziert und so konnte ich kurze Zeit später die Kostbarkeiten in meinen Händen halten.
Alejandra lud mich schlussendlich zur Besichtigung in die ursprüngliche Gründungsbodega der Bodega PALOMINO & VERGARA (gegründet 1848, ich besitze noch Brandies der ursprünglichen Gründungsbodega !) in die Calle Puerta Hintada / Plaza de la Amargura ein, mit der Bitte um Nachsicht falls Ihre Angestellte Virginia Sie aus Zeitgründen vertreten müsste. Doch ohne irgendeine Vorstellung der Person Alejandra traf ich eine bildschöne junge Spanierin mit dem Nachnamen Paez Ruiz vor !
Ein äußerst herzlicher Termin mit allem was man sich vorstellt ! Die Kompetenz und das Interesse an der Person eines vom Brandy de Jerez bessenen Deutschen erweiterte den Besuch auf knapp 3 Stunden ! Hier haben wir dann auch direkt abgefüllt den Buleria-Fino und einen Cream zum Hauspreis in die Calle Palma 4 geschleppt. Sehr empfehlenswert !
Wir wollten uns nochmals treffen, doch leider ließ Ihr Zeitplan dies nicht zu. Sehr schade !

Nun, die interessanten Bodegas “REY FERNANDO DE CASTILLA” und “ALMOCADEN” erwiderten unseren Wunsch zum Besuch der Bodega nicht. So mussten wir vorab mit einem Multi Vorlieb nehmen, den ich eigentlich meiden wollte:

Bodegas GONZALEZ BYASS“GONZALEZ BYASS / TIO PEPE”
Stündliche Führungen in allen erdenklichen Sprachen, ein Wartesaal der dem einer Großstadtambulanz größenmäßig gut standhält, eine stinkende Miniatureisenbahn die die Besuchswilligen durch das mehrere Hektar große Gelände fährt. Das ist Kommerz !
Die Führung endet in einem “Festzelt”, das die Ausmaße eines Münchner Bierzeltes hat. Nur sind die Decken betoniert und die Tische für max. 4 Personen, dementsprechend eng.
Der anschließende Besuch im Laden (Tienda) gleicht einem Supermarkt. Die Preise sind jedoch höher wie im Jerezaner Normalo-Laden ! Vergessen………Zudem ist der Laden nur in Verbindung mit der Besichtigung erreichbar !

Ein weiterer Multi mußte ebenfalls notgedrungen besucht werden, zumindest dessen Shop:
SGR SANDEMAN VVO“SANDEMAN”
Aufgrund der Größe und des Bekanntheitsgrades war es mir von vornherein klar hier keine Führung zu machen. Nur der 50-jährige Brandy SGR “Sandeman VVO”, der nur hier in diesem Shop und sonst in keinem Laden Europas zu kaufen ist lockte mich dahin. Zu unserem Erstaunen wurde hier sogar perfektes Deutsch gesprochen. Nach kurzer Suche und Durchsicht der im Regal vorhandenen Holzkisten wählte ich die Nr. 001 der 260 Flaschen aus der Jahresproduktion 2008 ! Die liebevoll verarbeitete Holzkiste ist so groß, dass sie nicht mal in meinen großen Samsonite passt. UPS richtet es, und so war ich mal schnell 130 € für die Flasche und 30 € für den Versand los. Für Freaks die Adresse !
Angesiedelt ist das Ganze in der Calle Pizarro 10, 8 Minuten Fußweg vom Casa Rosaleda entfernt.

Bodegas EMILIO LUSTAUEine der innovativsten und renommiertesten Bodegas in der “Triangle” ist zweifelsohne die Bodega
“EMILIO LUSTAU”.
Hier wird erstklassiges Handwerk vollzogen. Die jährlich mit höchsten Auszeichnungen auf allen Kontinenten versehenen Sherries und Brandies kommen in einem äußerst schlichten Aussehen daher. Dahinter verstecken sich wahre Meisterstücke: der Sherry “Moscatel Emilin” zum Beispiel hinterläßt am Gaumen eine wahre Explosion an Geschmäckern. Die mir wohlbekannten Brandies SR “Lustau” und SGR “Lustau 1940″ sind Lieblinge meiner Sammlung. Weiter so, Ihr macht wirklich tolle Kostbarkeiten ! Besonders lobenswert sei hier noch eine Person zu erwähnen: Senóra Isabel Ortegón. Sie ist das Herz des Visitors Center und wirklich hilfsbereit wenn es darum geht, etwas direkt von der Bodega aus schicken zu lassen. Denn nach einer exklusiven Degustation fällt es auch leichter Geschäfte zu machen. Vielen Dank nochmals an Sie !
Zu finden in der Calle Arcos 13, ca. 15 Minuten Fußweg vom Headquarter entfernt.

Bodegas ALVARO DOMECQLast but not least in diesen kurzweiligen 2 Wochen kam dann noch ein Schmuckstück in die Besuchsorgie:
Die Bodega “ALVARO DOMECQ” !
Hier sei darauf hingewiesen, dass diese Bodega nicht mit der allseits bekannten Bodega Pedro Domecq (dem Produzenten des “Carlos I.”) zu verwechseln ist ! Hier handelt es sich um eine GmbH, nicht um eine AG ! Nur zum Größenvergleich !
Die quirlige Senóra Maria Jiménez Pena absolviert Ihre Besuchsführung souverän und freundlich und erklärt dem Besucher sachkundig die kredenzten Köstlichkeiten. Die wenigen Sorten Sherry und die beiden Brandies SR “Veragua” und SGR “Duque de Veragua” sind erstklassige Vertreter ! Die Preise sind normal, aber nicht billig. Das Highlight jedoch ist die Kathedrale in der die Degustation stattfindet !
Interessierte hier hin: Calle Alamos 23, unweit vom Bahnhof aber locker mal 20 Minuten von der Casa entfernt !

Fazit:
In diesen verregneten zwei Wochen über Weihnachten und Silvester 2009 / 2010 habe ich trotz intensiver Vorbereitung das mir gesteckte Ziel nicht erreicht, täglich eine Bodega zu besuchen. Zum einen lag es daran dass auch in Spanien Weihnachten gefeiert wird, zum Anderen daran dass für mich wichtige Bodegas einfach offensichtlich die Nase zu hoch tragen um auf eine Besichtigungsanfrage überhaupt zu antworten ! Doch Kondition muß man allemal mitbringen !
Doch es ist nicht aller Tage Abend, ich werde schnellstmöglich wieder kommen um die noch fehlenden Bodegas zu besuchen. Und außer denen in Jerez sind dann noch die in Sanlucar de Barrameda und El Puerto de Santa Maria ………
Zwischenzeitlich werde ich versuchen die Sammlung an Kostbarkeiten in meinen Händen zu pflegen und mehren und jedem Interessierten Auskunft und Hilfestellung bei der Verkostung und Beschaffung dieses außergewöhnlichen Getränks zu geben. Ich bin für jede Anfrage offen und bin auch gerne bereit mal mit einem Sortiment zu einem Vortrag / Degustation in deutschen Landen zu Ihnen zu kommen. Zudem gibt es von meiner Sammlung eine Foto-CD, auf der alle Kostbarkeiten in Einzelbildern zu sehen sind. Die vorhandene Datenbank über das Thema “Brandy de Jerez” füllt eine ganze externe Festplatte. Also bitte fragen Sie einfach nach !

Der Verfasser nebst BegleitungDank an dieser Stelle vor allem an unseren lieben Gastgeber, Anja, Tilo und Lion, die uns in allen Belangen unterstützen. Hierzu sei noch angemerkt, dass die Drei uns mehrfach gesucht haben, weil ich am Anfang die Aussage machte es “locker anzugehen”. Doch knapp 100 km Fußweg im Regen binnen 2 Wochen sind kein Pappenstiel ! Warum wir dann dennoch zugenommen haben ? Fragen Sie die Bodegas nach dem Kaloriengehalt ihrer Produkte …………